Cortison-Creme rezeptfrei: was Sie wissen müssen, bevor Sie kaufen
Cortison-Creme rezeptfrei: rezeptfrei ist nicht der Wirkstoff, sondern eine genau umgrenzte Kombination aus Konzentration, Packungsgröße, Anwendungsdauer und Art des Befunds – bis 0,25 % oder bis 0,5 %, maximal zwei Wochen, nur bei mäßig ausgeprägten Hauterkrankungen, nur ab sechs Jahren. Die Grenzen stehen wörtlich in der Arzneimittelverschreibungsverordnung, und sie sind engmaschiger, als die Regalauslage vermuten lässt.

Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung führt Hydrocortison und seine Ester als verschreibungspflichtig – mit zwei Ausnahmen für den äußeren Gebrauch. Die eine ist an eine Konzentration von bis zu 0,25 % und Packungen bis 50 g gebunden. Die andere erlaubt über 0,25 bis 0,5 % in Packungen bis 30 g, aber nur kurzzeitig und nur bei mäßig ausgeprägten Befunden.
Die zwei rezeptfreien Stufen im Wortlaut
Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung nennt zu Hydrocortison und seinen Estern die Ausnahmen „in Zubereitungen für den äußeren Gebrauch“:
a) in einer Konzentration bis zu 0,25 % Hydrocortison oder Hydrocortisonacetat, berechnet als Hydrocortison, und in Packungsgrößen bis zu 50 g;
b) in einer Konzentration von über 0,25 bis zu 0,5 % Hydrocortison oder Hydrocortisonacetat, berechnet als Hydrocortison, und in Packungsgrößen bis zu 30 g zur kurzzeitigen (maximal zwei Wochen andauernden) äußerlichen Anwendung zur Behandlung von mäßig ausgeprägten entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen.
Die gesamte Ausnahme – Stufe a ebenso wie Stufe b und die unten beschriebene Stufe c – gilt nur, „sofern auf Behältnissen und äußeren Umhüllungen eine Beschränkung der Anwendung auf Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr angegeben ist". Die Altersgrenze von sechs Jahren steht damit nicht als Hinweis auf der Packung, sondern als Bedingung der Rezeptfreiheit.
Der Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht beim BfArM formuliert dieselbe Lage zusammenfassend so, dass Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung mit Hydrocortison in Konzentrationen bis 0,5 % zur Behandlung von mäßig ausgeprägten entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen von der Verschreibungspflicht ausgenommen sind.
Wann sinnvoll, wie lange, wo nicht
Wann. Die Rezeptfreiheit ist an mäßig ausgeprägte entzündliche, allergische oder juckende Hauterkrankungen gebunden. Das ist keine Formulierungsfrage, sondern die Bedingung der Ausnahme: ein ausgeprägter Befund liegt außerhalb.
Wie lange. Für die Stufe über 0,25 bis 0,5 % nennt die Verordnung maximal zwei Wochen. Wer danach weiterbehandeln möchte, verlässt den rezeptfreien Rahmen – und sollte das mit einer Praxis oder Apotheke klären, statt eine zweite Packung zu kaufen.
Wo nicht. Die Verordnung selbst benennt keine Körperregionen. Die S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis behandelt jedoch Gesicht, intertriginöse Hautareale und den Anogenitalbereich als besondere Lokalisationen und nennt dort – sowie bei Unverträglichkeit oder Nichtwirksamkeit – topische Calcineurininhibitoren anstelle topischer Glukokortikosteroide. Für die Anwendung an diesen Stellen ist die ärztliche Einschätzung der richtige Weg.
Was für eine chronische Erkrankung daraus folgt, steht im Beitrag zur Neurodermitis-Basispflege: eine rezeptfreie Creme kann eine Überbrückung sein, ein Behandlungskonzept ist sie nicht. Bei Juckreiz als führendem Symptom lohnt zusätzlich der Beitrag zu Juckreiz. Zeitliche Begrenzungen dieser Art gibt es auch bei anderen rezeptfreien Präparaten zur örtlichen Anwendung – etwa bei abschwellendem Nasenspray, siehe den Beitrag zur Nasenspray-Abhängigkeit.
Was Cortison auf der Haut macht
Topische Glukokortikosteroide stehen seit rund fünf Jahrzehnten für die Behandlung akuter, subakuter und chronischer ekzematöser Areale zur Verfügung. In Europa werden sie nach ihrer Wirkungsstärke in vier Klassen eingeteilt; rezeptfrei erhältliches Hydrocortison liegt am unteren Ende dieser Skala.
Zur Wirkweise beschreibt die dermatologische Leitlinie in einer älteren Fassung, dass Glukokortikosteroide intrazellulär in einer Reihe von Zellen wirken und eine Schlüsselwirkung in der Hemmung der Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-kB liegt, woraus die Hemmung der Bildung entzündungsfördernder Zytokine folgt.
Praktisch heißt das: die Entzündung wird unterdrückt, die Ursache nicht beseitigt. Das ist keine Schwäche des Wirkstoffs, sondern seine Funktion – und einer der Gründe, warum die rezeptfreie Anwendung zeitlich begrenzt ist.
Die häufigsten Cortison-Mythen
„Cortison ist gefährlich." Die Leitlinie benennt „Kortisonangst" ausdrücklich als möglichen Grund für verminderte Adhärenz – also dafür, dass eine Behandlung nicht wie vorgesehen angewendet wird – und führt sie unter den Punkten auf, die bei fehlendem Ansprechen individuell abgeklärt werden sollen.
„Mehrmals täglich wirkt besser." Die Behandlung mit topischen Glukokortikosteroiden wird in der Regel einmal täglich empfohlen, in Ausnahmefällen zweimal täglich.
„Es gibt ein festes Anwendungsschema." Gibt es nicht. Die Leitlinie hält fest, dass topische Glukokortikosteroide in der Regel zeitlich befristet oder als Intervalltherapie eingesetzt werden und fixe allgemein anerkannte Schemata nicht existieren.
Kombinationspräparate: eigene Regeln
Neben den Monopräparaten sind einzelne Kombinationen eigens von der Verschreibungspflicht freigestellt, jeweils mit eigener Indikation und eigenen Grenzen.
Hydrocortisonacetat 0,2 % mit Natriumbituminosulfonat (hell) ist als Stufe c der Hydrocortison-Ausnahme in Anlage 1 AMVV verankert – in Packungsgrößen bis zu 20 g, zur kurzzeitigen Anwendung zur Behandlung nicht infizierter, leicht ausgeprägter entzündlicher, allergischer oder juckender Hauterkrankungen. Zurück geht die Freistellung auf ein Votum des Sachverständigen-Ausschusses (79. Sitzung, Juli 2018) – für die kurzzeitige Anwendung zur Behandlung nicht infizierter, leicht ausgeprägter entzündlicher, allergischer oder juckender Hauterkrankungen. Beachten Sie den Unterschied zur Monopräparat-Regel: hier heißt es leicht ausgeprägt und nicht infiziert.
Hydrocortison 1 % in Kombination mit Aciclovir ist als Creme zur Behandlung von Herpes labialis freigestellt – ausdrücklich zur Verringerung des Risikos ulzerativer Läsionen, bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren, in Packungsgrößen bis 2 g und mit einem Wirkstoffgehalt bis 100 mg Aciclovir je abgeteilter Arzneiform. Das ist der einzige Kontext, in dem 1 % Hydrocortison rezeptfrei vorkommt, und er ist auf Lippenherpes begrenzt. Mehr dazu im Beitrag zu Lippenherpes.
Rezeptfreie Hydrocortison-Zubereitungen nach Anlage 1 AMVV
-
Zubereitung: Monopräparat, Stufe a
Konzentration: bis 0,25 %
Packungsgröße: bis 50 g
Indikation und Dauer nach der Ausnahme: äußerer Gebrauch; wie alle Stufen nur mit Altersangabe „ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr" auf der Packung
-
Zubereitung: Monopräparat, Stufe b
Konzentration: über 0,25 bis 0,5 %
Packungsgröße: bis 30 g
Indikation und Dauer nach der Ausnahme: mäßig ausgeprägte entzündliche, allergische oder juckende Hauterkrankungen; maximal zwei Wochen
-
Zubereitung: Stufe c: mit Natriumbituminosulfonat (hell)
Konzentration: 0,2 % Hydrocortisonacetat
Packungsgröße: bis 20 g
Indikation und Dauer nach der Ausnahme: kurzzeitig; nicht infizierte, leicht ausgeprägte entzündliche, allergische oder juckende Hauterkrankungen
-
Zubereitung: mit Aciclovir
Konzentration: 1 % Hydrocortison
Packungsgröße: bis 2 g, bis 100 mg Aciclovir
Indikation und Dauer nach der Ausnahme: Herpes labialis, Verringerung des Risikos ulzerativer Läsionen; ab 12 Jahren
Was im Alltag hilft
Konzentration und Packungsgröße auf der Schachtel lesen. Beide sind Teil der Bedingung, unter der ein Präparat überhaupt rezeptfrei ist.
Das Startdatum notieren. Bei der Stufe über 0,25 bis 0,5 % gilt eine Obergrenze von zwei Wochen – die kann man nur einhalten, wenn man den ersten Tag kennt.
Keine zweite Packung als Verlängerung kaufen. Die Dauergrenze hängt an der Anwendung, nicht an der Tube.
Bei Gesicht, Hautfalten und Anogenitalbereich ärztlich klären. Die Leitlinie behandelt diese Stellen als besondere Lokalisationen.
Auf die Altersangabe achten. Sie steht auf Behältnis und Umhüllung, weil die Ausnahme sie voraussetzt.
Häufige Fragen
Ist Hydrocortison 0,5 % rezeptfrei?
Ja, unter Bedingungen: Anlage 1 AMVV nimmt Zubereitungen über 0,25 bis 0,5 % für den äußeren Gebrauch in Packungsgrößen bis 30 g von der Verschreibungspflicht aus, zur kurzzeitigen – maximal zweiwöchigen – Anwendung bei mäßig ausgeprägten entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen.
Wie lange darf ich die Creme anwenden?
Für diese Stufe nennt die Verordnung maximal zwei Wochen. Danach ist der rezeptfreie Rahmen verlassen.
Gibt es 1 % Hydrocortison ohne Rezept?
Nur in einer Kombination: als Creme mit Aciclovir zur Behandlung von Herpes labialis, zur Verringerung des Risikos ulzerativer Läsionen, bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren, in Packungsgrößen bis 2 g.
Darf die Creme ins Gesicht oder an Hautfalten?
Die Verordnung nennt keine Körperregionen. Die S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis behandelt Gesicht, intertriginöse Areale und Anogenitalbereich als besondere Lokalisationen und nennt dort topische Calcineurininhibitoren. Klären Sie die Anwendung an diesen Stellen ärztlich.
Und bei Kindern?
Die Ausnahme von der Verschreibungspflicht gilt nur, sofern auf Behältnis und äußerer Umhüllung eine Beschränkung der Anwendung auf Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr angegeben ist. Für jüngere Kinder ist rezeptfreies Hydrocortison damit nicht vorgesehen.
Nächster Schritt
Welches Hautthema betrifft Sie gerade?
Vergleichen Sie Präparate und Preise pro Einheit über die Partner-Apotheken auf Onfy.
Produkte vergleichenAbgabe über eine unserer Partner-Apotheken.

Quellen
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5), Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz. gesetze-im-internet.de – Hydrocortison und seine Ester als verschreibungspflichtige Stoffe mit den Ausnahmen für den äußeren Gebrauch bis 0,25 % in Packungsgrößen bis 50 g und über 0,25 bis 0,5 % in Packungsgrößen bis 30 g zur kurzzeitigen, maximal zweiwöchigen Anwendung bei mäßig ausgeprägten entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen; Erfordernis der Altersangabe auf Behältnis und äußerer Umhüllung; Ausnahme für die Kombination mit Aciclovir bei Herpes labialis, ab 12 Jahren, bis 2 g und bis 100 mg Aciclovir.
- Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht, Unterlagen zur 77., 79. und 90. Sitzung, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. bfarm.de – zusammenfassende Darstellung der Hydrocortison-Position in Anlage 1 AMVV; Freistellung der Kombination aus 0,2 % Hydrocortisonacetat und Natriumbituminosulfonat (hell) zur kurzzeitigen Anwendung bei nicht infizierten, leicht ausgeprägten entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen; Votum zur Kombination von Aciclovir und Hydrocortison.
- S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem], AWMF-Register-Nr. 013-027, Version 4.5 mit Teilaktualisierung 2025, Stand 25.02.2026, gültig bis 15.06.2028. register.awmf.org – topische Glukokortikosteroide in der Regel als First-line-Therapie; topische Calcineurininhibitoren bei Unverträglichkeit oder Nichtwirksamkeit und an besonderen Lokalisationen wie Gesicht, intertriginösen Hautarealen und Anogenitalbereich.
- Neurodermitis, ältere Fassung der Leitlinie, Deutsche Dermatologische Gesellschaft, AWMF-Register-Nr. 013-027. dermaostschweiz.ch – Einteilung topischer Glukokortikosteroide in vier Wirkstärkeklassen; Wirkmechanismus über die Hemmung der Aktivierung von NF-kB und der Bildung entzündungsfördernder Zytokine; Anwendung in der Regel einmal täglich; Einsatz zeitlich befristet oder als Intervalltherapie, ohne fixe allgemein anerkannte Schemata; „Kortisonangst" als Grund verminderter Adhärenz. Hinweis: überholte Fassung, ausschließlich für die hier zitierten Aussagen herangezogen und gegen Version 4.5 abzugleichen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Besuch bei Arzt oder Apotheker. Er stellt keine Handlungsempfehlung für den Einzelfall dar. Im ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie Hilfe unter 116117, im Notfall unter 112.