Tennisarm (Epicondylitis lateralis): Ursachen, Symptome und wirksame Behandlungsmethoden

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Tennisarm (Epicondylitis lateralis) – Ursachen, Symptome und Behandlung


Ein stechender Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens – für viele Menschen ist das ein bekanntes Problem. Der sogenannte Tennisarm, medizinisch Epicondylitis lateralis, ist eine der häufigsten Überlastungsverletzungen der Arme. Doch anders als der Name vermuten lässt, sind bei weitem nicht ausschließlich Tennisspieler betroLen: Büroangestellte, Handwerker oder Musiker können ebenso an einem Tennisellenbogen leiden.


Ein Tennisarm entsteht meist durch wiederholte Belastungen der Unterarmmuskulatur. Die Folgen sind Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, die alltägliche Bewegungen wie Greifen, Heben oder Tippen zur Qual machen können. Doch was sind die Ursachen, wie lässt sich ein Tennisarm behandeln, und welche Maßnahmen helfen langfristig? Der folgende Beitrag soll Klarheit verschaffen.


Was ist ein Tennisarm (Tennisellenbogen)?

Der Tennisarm ist eine Sehnenansatzentzündung im Bereich des Ellenbogens, die durch Überlastung der Streckmuskulatur des Unterarms verursacht wird. Die betroffenen Sehnen setzen am seitlichen Ellenbogenhöcker (Epicondylus lateralis) an – daher der medizinische Name Epicondylitis lateralis humeri.


Ein Tennisellenbogen sollte jedoch nicht mit einem Tennisarm verwechselt werden. Während der Tennisarm Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens verursacht, betrifft der Golferellenbogen (Epicondylitis medialis) die Innenseite des Gelenks. Beide Erkrankungen entstehen durch repetitive Belastungen, allerdings bei unterschiedlichen Bewegungsmustern. Der Tennisarm ist einer der häufigsten Überlastungssyndrome. Die Inzidenz in der Gesamtbevölkerung liegt bei circa 1 bis 3 Prozent. Am häufigsten sind Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren betroffen.


Symptome eines Tennisarms


Die Beschwerden beginnen oft schleichend und verstärken sich mit der Zeit:


  • Schwäche beim Greifen oder Heben von Gegenständen

  • Druckschmerz im Bereich des Ellenbogens

  • Schmerzen, die in den Unterarm oder das Handgelenk ausstrahlen

  • Zunehmende Beschwerden bei bestimmten Bewegungen, z. B. beim Händeschütteln oder Tippen auf der Tastatur

  • Ohne Behandlung kann sich der Zustand chronifizieren, was die Heilung erheblich erschwert.


    Ursachen und Risikofaktoren

    Die Hauptursache des Tennisarms ist eine Überbeanspruchung der Sehnenansätze im Ellenbogenbereich. Dazu kommt es durch:


  • Repetitive Bewegungen (z. B. Tippen, Schrauben, Greifen)

  • Sportarten bei denen es zu intensiven und wiederholten Belastungen der Unterarmmuskulatur kommt (z.B. Tennis, Golf, Gewichtheben und Ähnliches)

  • Eine unaufmerksame Körperhaltung im beruflichen Alltag (auch während Büroarbeit durch stundenlanges Tippen, bei ungünstiger Positionierung der Unterarme)

  • Handwerkliche Tätigkeiten mit intensiver Armnutzung

  • Diverse Tennisarm förderliche anatomische Prädispositionen

  • Auch Altersfaktoren spielen eine Rolle: Mit zunehmendem Alter verliert das Sehnengewebe an Elastizität und wird anfälliger für Überlastungsschäden.

    Diagnose des Tennisarms

    Zur Diagnose führt der Arzt verschiedene Tests durch:


  • Druckschmerztest: Druck auf die Außenseite des Ellenbogens löst Schmerzen aus.

  • Strecktest: Beim Anheben der Hand gegen Widerstand treten typische Schmerzen auf.

  • Bildgebung: Ultraschall oder MRT helfen, andere Erkrankungen auszuschließen.

  • Behandlungsmöglichkeiten: Was hilft bei einem Tennisarm?


    1. Konservative Therapie


  • Schonung und Reduzierung der Belastung

  • Kälte- oder Wärmeanwendungen zur Schmerzreduktion

  • Physiotherapie mit gezielten Übungen zur Stärkung der Muskulatur
  • Dehnübungen für die Unterarmmuskulatur

  • Kraftübungen zur Stärkung der Unterarmmuskulatur

  • 2. Medikamentöse Therapie


  • Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac)

  • Entzündungshemmende Salben oder Cremes

  • Injektionen (Kortison oder PRP-Therapie für eine schnellere Heilung)

  • 3. Hilfsmittel und Orthesen


  • Tennisarmbandagen zur Entlastung der Sehnen

  • Kinesiotapes zur Stabilisierung des Unterarms

  • 4. Alternative Therapieansätze


  • Stoßwellentherapie zur Anregung der Heilung

  • Akupunktur zur Schmerzlinderung

  • Manuelle Therapie und Massagen

  • Kinesiotaping (elastische Klebebinden aus Baumwolle die an der schmerzauslösenden Stelle angebracht werden)

  • Laser- und Ultraschalltherapie

  • Wann ist eine Operation nötig?


    Eine Operation beim Tennisarm ist nur in seltenen Fällen erforderlich und wird erst in Betracht gezogen, wenn alle konservativen Behandlungsmethoden versagt haben und die Schmerzen über Monate hinweg bestehen bleiben. In der Regel dauert eine konservative Therapie zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Erst wenn sich nach dieser Zeit keine Besserung einstellt oder der Tennisarm die Lebensqualität erheblich einschränkt, kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein.


    Welche Operationsmethoden gibt es?


    Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren zur Behandlung eines Tennisarms. Die Wahl der Methode hängt von der Schwere der Erkrankung und der individuellen Situation des Patienten ab.


    1. OKene Operation (Sehnenlösung oder Epicondylus-Resektion)


  • Hierbei werden die betroffenen Sehnenansätze am Ellenbogen operativ durchtrennt oder teilweise entfernt, um die Spannung auf die Sehne zu verringern.

  • In einigen Fällen wird auch der betroffene Knochenbereich leicht abgeschliffen (Resektion), um eine verbesserte Heilung der Sehne zu fördern.

  • 2. Minimalinvasive Operation (Arthroskopie)


  • Diese Methode ist schonender als die offene Operation, da nur kleine Einschnitte notwendig sind.

  • Über eine winzige Kamera (Arthroskop) werden die Sehnenveränderungen begutachtet und behandelt.

  • Diese Technik hat eine kürzere Heilungszeit und ein geringeres Risiko für Komplikationen.

  • 3. Denervierung des Ellenbogens


  • Hierbei werden gezielt kleine Nervenfasern durchtrennt, die den Schmerz weiterleiten.

  • Diese Methode nimmt dem Patienten zwar nicht die Ursache des Tennisarms, kann aber eine erhebliche Schmerzlinderung bewirken.

  • Risiken und Heilung nach einer Operation


    Jede Operation birgt gewisse Risiken wie Infektionen, Blutergüsse oder Bewegungseinschränkungen. Zudem kann es einige Monate dauern, bis der Arm wieder voll belastbar ist. Eine gezielte physiotherapeutische Nachsorge ist entscheidend für eine erfolgreiche Heilung. Patienten sollten nach einer Operation mit einer Rehabilitationszeit von 6 bis 12 Wochen rechnen, bevor sie ihren Arm wieder uneingeschränkt nutzen können.


    Die meisten Patienten berichten nach einer erfolgreichen OP von dauerhafter Schmerzfreiheit und einer deutlichen Verbesserung der Beweglichkeit. Dennoch wird die Operation nur als letzte Option empfohlen, wenn langfristige Schmerzen und Bewegungseinschränkungen das tägliche Leben stark beeinträchtigen.


    Prävention: So beugt man einem Tennisarm vor


  • Richtige Ergonomie am Arbeitsplatz (angepasste Sitzhöhe, ergonomische Maus)

  • Regelmäßige Dehnübungen für die Unterarmmuskulatur

  • Kräftigungsübungen zur Stabilisierung der Sehnen

  • Bewusstes Vermeiden von Überlastung durch Pausen und Entspannungstechniken

  • Leben mit einem Tennisarm


    Ein Tennisarm kann den Alltag erheblich einschränken, besonders wenn berufliche oder private Tätigkeiten stark von der Armnutzung abhängen. Viele Betroffene sind durch Schmerzen beim Greifen, Heben oder Tippen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Doch mit den richtigen Maßnahmen lässt sich auch mit einem Tennisarm gut leben.


    1. Arbeitsalltag mit einem Tennisarm


    Berufstätige, die viel am Computer arbeiten oder handwerkliche Tätigkeiten ausführen, sollten auf ergonomische Arbeitsbedingungen achten:


  • Maus und Tastatur anpassen: Eine ergonomische Maus und eine gepolsterte Tastaturauflage können helfen, die Belastung des Unterarms zu reduzieren.

  • Regelmäßige Pausen einlegen: Häufiges Unterbrechen einseitiger Bewegungen entlastet die Sehnen.

  • Auf die richtige Haltung achten: Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz kann Verspannungen vermeiden.

  • 2. Sport mit Tennisarm – was ist erlaubt?


    Viele Sportarten beanspruchen die Unterarmmuskulatur stark und können einen Tennisarm verschlimmern. Dennoch gibt es Bewegungsformen, die für Betroffene gut geeignet sind:


  • Erlaubt: Schwimmen (besonders Brust- und Rückenschwimmen), Walking, sanftes Krafttraining mit leichten Gewichten

  • Vermeiden: Tennis, Golf, Krafttraining mit hohen Belastungen, Sportarten mit häufigen Wurfbewegungen

  • Eine schrittweise Belastungssteigerung ist wichtig. Besonders hilfreich sind gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen, um die Muskulatur zu stärken und erneute Überlastungen zu vermeiden.


    3. Selbsthilfe im Alltag


    Wer mit einem Tennisarm lebt, kann durch kleine Anpassungen im Alltag Beschwerden reduzieren:


  • Griffverstärkungen an Werkzeugen und Haushaltsgegenständen reduzieren die Belastung.

  • Das Tragen schwerer Taschen vermeiden – stattdessen lieber einen Rucksack nutzen.

  • Wärme- und Kälteanwendungen ausprobieren: Während Kälte akute Schmerzen lindert, kann Wärme Verspannungen lösen.

  • Handschuhe mit gepolsterten Innenflächen nutzen, wenn Druck auf die Hände ausgeübt wird (z. B. beim Fahrradfahren oder Gartenarbeiten).

  • 4. Langfristige Maßnahmen zur Vorbeugung


  • Regelmäßige Physiotherapie und gezieltes Muskeltraining können langfristig helfen, erneuten Beschwerden vorzubeugen.

  • Dehnen und Aufwärmen vor belastenden Tätigkeiten schützt die Sehnen vor Überlastung.

  • Bewusstes Arbeiten mit beiden Händen entlastet die betroLene Seite.

  • Viele Betroffene können trotz Tennisarm ein weitgehend normales Leben führen, wenn sie lernen, ihre Bewegungen anzupassen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.


    Fazit


    Ein Tennisarm ist eine schmerzhafte Überlastungsverletzung, die nicht nur Sportler betrifft. Frühe Behandlung und gezielte Maßnahmen können die Heilung beschleunigen und langfristige Beschwerden verhindern. Durch präventive Übungen und eine gesunde Arbeitshaltung lässt sich das Risiko für einen Tennisellenbogen deutlich reduzieren.

    Literaturverzeichnis


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