Sinusitis: wenn der Schnupfen nicht aufhört — und was dann hilft
Eine Sinusitis – die Entzündung der Nasennebenhöhlen – zeigt sich, wenn der Schnupfen nicht aufhört und Druck über Wangen und Stirn hinzukommt. Was dann hilft, steht in der Leitlinie: Schmerzmittel und befristet abschwellende Sprays, Antibiotika dagegen in der Regel nicht. Woran Sie eine Komplikation erkennen und wann es zum HNO gehört.
Die deutsche S2k-Leitlinie unterscheidet zwischen akuter, rezidivierender akuter und chronischer Rhinosinusitis. Für die akute Form ist die Linie klar: symptomatisch behandeln, wenig diagnostizieren, Antibiotika in der Regel nicht – aber bei bestimmten Zeichen sehr wohl.
Schnupfen, Sinusitis, Rhinosinusitis – was gemeint ist
Fachsprachlich heißt das Krankheitsbild Rhinosinusitis, weil Nasenschleimhaut und Nebenhöhlenschleimhaut zusammenhängen und praktisch immer gemeinsam betroffen sind. Die Leitlinie unterscheidet die akute Rhinosinusitis, die rezidivierende akute Form und die chronische Rhinosinusitis; für letztere gelten andere Empfehlungen, teils gegenläufige.
Zur Diagnostik ist die Leitlinie zurückhaltend. Grundlage sind Anamnese und klinische Untersuchung, ergänzt um Rhinoskopie beziehungsweise Endoskopie. Auf mikrobiologische Testverfahren soll in der Routinebehandlung verzichtet werden; ein Abstrich mit Antibiogramm kommt bei therapieresistentem Verlauf und bei Abwehrschwäche in Betracht, vor allem in der fach- und klinikärztlichen Versorgung. Entzündungsparameter im Blut sind bei starken bis sehr starken Schmerzen vorgesehen, Bildgebung nicht routinemäßig.
Zur oft zitierten Zehn-Tage-Marke eine Einordnung, weil sie regelmäßig falsch weitergegeben wird: die zehn Tage stehen in der Leitlinie als Obergrenze für die Anwendung topischer Dekongestiva, nicht als diagnostische Schwelle, ab der aus einem Schnupfen automatisch eine bakterielle Sinusitis geworden ist.
Was symptomatisch vorgesehen ist
Abschwellende Nasensprays. Dekongestiva können zur symptomatischen Linderung bei der akuten Rhinosinusitis verwendet werden. Zwei Einschränkungen nennt die Leitlinie ausdrücklich: topische Dekongestiva sollten frei von Benzalkoniumchlorid sein, und sie sollten nicht länger als zehn Tage verwendet werden.
Wichtig für die Praxis: die Packungsbeilagen der gängigen Xylometazolin-Präparate setzen die Grenze bei sieben Tagen. Wo Leitlinie und Produktinformation auseinandergehen, gilt für das einzelne Präparat die Angabe in seiner Packungsbeilage – also die kürzere Frist. Warum diese Begrenzung überhaupt existiert und wie man wieder herauskommt, wenn man sie überschritten hat, steht ausführlich in unserem Beitrag zur Nasenspray-Abhängigkeit. Kommt zur Sinusitis ein Husten hinzu, erklärt der Beitrag zu Reizhusten und produktivem Husten die Unterscheidung der Wirkstoffgruppen.
Schmerzmittel. Bei akuter und rezidivierender akuter Rhinosinusitis können Schmerzmittel zur symptomatischen Therapie empfohlen werden.
Lokale Kortikoide. Bei einer akuten allergischen und bei der rezidivierenden akuten Rhinosinusitis sollten lokale Kortikoid-Anwendungen erfolgen.
Was die Leitlinie nicht vorsieht. Bei der chronischen Rhinosinusitis sollten Dekongestiva wegen der Gefahr der Entstehung einer Rhinitis medicamentosa nicht angewendet werden – wer also seit Wochen sprüht und deshalb glaubt, eine chronische Sinusitis zu haben, ist möglicherweise genau in dieser Falle.
Pflanzliche Präparate, Inhalation, Nasendusche. Diese Optionen sind in der Selbstmedikation stark verbreitet. Verifizierte Aussagen der Leitlinie dazu liegen uns an dieser Stelle nicht vor, und wir tragen sie nicht aus zweiter Hand nach.
Antibiotika: wann nicht und wann doch
Die Grundregel der Leitlinie: bei einer akuten Rhinosinusitis beziehungsweise einer akuten Exazerbation einer rezidivierenden akuten Rhinosinusitis sollten in der Regel keine Antibiotika gegeben werden. Die Leitlinie weist darauf hin, dass für eine Antibiotikatherapie keine Evidenz vorliegt, die günstige Effekte auf die Rezidiv- oder Komplikationsrate belegt.
Davon gibt es abgestufte Ausnahmen:
Sollte erfolgen bei Hinweisen auf Komplikationen wie starken Kopfschmerzen, Gesichtsschwellungen oder Lethargie.
Sollte erwogen werden bei Patientinnen und Patienten mit besonderen Risikofaktoren.
Kann empfohlen werden bei starken bis sehr starken Schmerzen plus erhöhten Entzündungswerten – die Leitlinie nennt dafür CRP über 10 mg/l oder eine Blutsenkungsgeschwindigkeit über 10 mm/h bei Männern bzw. über 20 mm/h bei Frauen.
Kann erwogen werden bei starken Beschwerden und/oder einer Verstärkung der Beschwerden im Lauf der Erkrankung und/oder Fieber über 38,5 °C.
Das ist ärztliche Entscheidung, nicht Selbstmedikation – die Aufzählung steht hier, damit Sie erkennen, wann ein Arztbesuch tatsächlich etwas ändert und wann nicht.
Symptomatische Optionen bei akuter Rhinosinusitis nach Leitlinie
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Option: Topische Dekongestiva
Aussage der Leitlinie: können zur symptomatischen Linderung verwendet werden
Einschränkung: frei von Benzalkoniumchlorid; nicht länger als 10 Tage; Packungsbeilage nennt meist 7 Tage
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Option: Schmerzmittel
Aussage der Leitlinie: können zur symptomatischen Therapie empfohlen werden
Einschränkung: –
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Option: Lokale Kortikoide
Aussage der Leitlinie: sollten bei akuter allergischer und rezidivierender akuter Form erfolgen
Einschränkung: –
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Option: Antibiotika
Aussage der Leitlinie: in der Regel nicht
Einschränkung: abgestufte Ausnahmen, siehe oben
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Option: Dekongestiva bei chronischer Form
Aussage der Leitlinie: sollten nicht angewendet werden
Einschränkung: Gefahr einer Rhinitis medicamentosa
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Option: Phytotherapie, Inhalation, Nasenspülung
Aussage der Leitlinie:
Einschränkung:
Was im Alltag hilft
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Den Spraybeginn notieren. Zehn Tage nach Leitlinie, sieben nach Packungsbeilage – beide Fristen kann man nur einhalten, wenn man den ersten Tag kennt.
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Auf Benzalkoniumchlorid schauen. Die Leitlinie empfiehlt topische Dekongestiva ohne diesen Konservierungsstoff. Er steht in der Zusammensetzung auf der Packung.
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Schmerzen ernst nehmen, nicht nur den Druck. Starke bis sehr starke Schmerzen sind in der Leitlinie ein eigenes Kriterium – auch dafür, Entzündungswerte zu bestimmen.
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Fieber messen statt schätzen. Die Schwelle von 38,5 °C ist eine der Größen, an denen sich die ärztliche Entscheidung orientiert.
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Nicht auf Bildgebung drängen. Bildgebung ist bei der akuten Form nicht routinemäßig vorgesehen; mikrobiologische Tests sollen in der Routinebehandlung entfallen.
Häufige Fragen
Wie lange darf ich bei einer Nebenhöhlenentzündung abschwellendes Spray benutzen?
Die Leitlinie nennt für topische Dekongestiva eine Obergrenze von zehn Tagen und empfiehlt Präparate frei von Benzalkoniumchlorid. Die Packungsbeilagen gängiger Xylometazolin-Präparate setzen die Grenze bei sieben Tagen; für das einzelne Präparat gilt die Angabe in seiner Packungsbeilage.
Braucht man bei Sinusitis ein Antibiotikum?
In der Regel nicht. Nach der Leitlinie sollten bei einer akuten Rhinosinusitis in der Regel keine Antibiotika gegeben werden; die Leitlinie weist darauf hin, dass keine Evidenz für günstige Effekte auf die Rezidiv- oder Komplikationsrate vorliegt. Ausnahmen sind Hinweise auf Komplikationen, besondere Risikofaktoren, starke Schmerzen mit erhöhten Entzündungswerten sowie starke oder sich verstärkende Beschwerden und Fieber über 38,5 °C.
Was bedeutet „Schnupfen länger als zehn Tage“?
Die Zehn-Tage-Angabe der Leitlinie bezieht sich auf die maximale Anwendungsdauer topischer Dekongestiva. Sie ist keine diagnostische Schwelle, ab der eine bakterielle Sinusitis vorliegt.
Warum sind abschwellende Sprays bei chronischer Sinusitis nicht vorgesehen?
Wegen der Gefahr der Entstehung einer Rhinitis medicamentosa – einer durch das Arzneimittel selbst verursachten Schleimhautschwellung. Die Leitlinie empfiehlt Dekongestiva bei der chronischen Form deshalb nicht.
Muss ein Abstrich gemacht werden?
Bei einer Rhinosinusitis soll auf mikrobiologische Testverfahren in der Routinebehandlung verzichtet werden. Bei therapieresistentem Verlauf und bei Abwehrschwäche können ein Abstrich mit Antibiogramm und weitere Verfahren sinnvoll sein.
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Quellen
- Rhinosinusitis, S2k-Leitlinie, Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie und Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, AWMF-Register-Nr. 017-049 und 053-012. register.awmf.org – Unterscheidung akute, rezidivierende akute und chronische Rhinosinusitis; Verzicht auf mikrobiologische Routinediagnostik; Dekongestiva zur symptomatischen Linderung, frei von Benzalkoniumchlorid und nicht länger als zehn Tage; Dekongestiva bei chronischer Form nicht anwenden wegen Rhinitis medicamentosa; Schmerzmittel und lokale Kortikoide; abgestufte Antibiotika-Kriterien einschließlich CRP über 10 mg/l bzw. BSG über 10 mm/h (Männer) und über 20 mm/h (Frauen) sowie Fieber über 38,5 °C; Hinweis, dass für eine Antibiotikatherapie keine Evidenz für günstige Effekte auf Rezidiv- oder Komplikationsrate vorliegt. Hinweis: die im AWMF-Register hinterlegten Fassungen sind als abgelaufen gekennzeichnet; eine gültige Nachfolgefassung ist vor Veröffentlichung zu prüfen.
- Gebrauchsinformation: Xylometazolin Nasenspray 0,1 %, Gebrauchsinformation für Anwender. beipackzettel.apocdn.net – Begrenzung der Anwendung auf sieben Tage, Risiko von Rhinitis medicamentosa und Atrophie bei längerem oder übermäßigem Gebrauch.
- Fachinformation: Xylometazolin/Dexpanthenol ratiopharm 1 mg/ml + 50 mg/ml Nasenspray, Lösung, ratiopharm GmbH. imedikament.de – Begrenzung der Anwendung auf sieben Tage auch für die Kombination, Altersgrenze ab sechs Jahren, reaktive Hyperämie und Rhinitis medicamentosa bei längerem Gebrauch.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Besuch bei Arzt oder Apotheker. Er stellt keine Handlungsempfehlung für den Einzelfall dar. Im ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie Hilfe unter 116117, im Notfall unter 112.